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Aufruf zur Teilnahme an einem Multi-nationalen Antrag zur Internationalen Anerkennung der Tibetischen Medizin/ Sowa Rigpa als Immateriellem Weltkulturerbe (ICH) mit UNESCO

Voraussetzungen

  • Voraussetzung für eine Teilnahme an einem multinationalen Antrag für internationale Anerkennung der Tibetischen Medizin/Sowa Rigpa als Immateriellem Weltkulturerbe durch die UNESCO ist, dass jeder teilnehmende Mitgliedsstaat selbst bereits die Tibetische Medizin/Sowa Rigpa als immaterielles Kulturgut bzw. traditionelles Medizinsystem im eigenen Staat national anerkannt haben muß. Mehr unter Aufruf zur Teilnahme Nationale Anerkennung.
  • Die Voraussetzung der nationalen Anerkennung ist bisher nur in den asiatischen Ländern China, Indien, Bhutan, und Mongolei gegeben. Nepal ist gerade dabei, Sowa Rigpa als Medizinsystem und Ausbildung national anzuerkennen. Wir streben daher in Europa primär in den einzelnen Ländern Europas eine jeweilige nationale Anerkennung der Tibetischen Medizin an, und kooperieren mit bzw. helfen jenen Interessensverbänden und Therapeuten dabei sich zu koordinieren, in denen eine Anerkennung der Tibetischen Medizin wünschens- und erstrebenswert ist, um sie bei ihrem nationalen Antrag zu unterstützen. Sobald die nationale Anerkennung der TTM im eigenen Land errungen ist, kann dann dieses Land dem multinationalen Antrag in Asien, der derzeit vorbereitet wird, beitreten. Interessenten an einem nationalen und/oder multinationalen Antrag kontaktieren bitte Mona Schrempf
  • Ein erster Aufruf an interessierte ‘Wissensinhaber‘ (knowledge holders) und eine Unterschriftensammlung in Asien, USA und Interessierte Professionelle und Laien im deutschsprachigen Europa (Deutschland und Schweiz) ist im Jahr 2014 und 2015 eingeleitet worden und ist auf große Resonanz gestoßen. Nun wollen wir als Europäischer Verband der Traditionellen Tibetischen Medizin unsere Anstrengungen konsolidieren und zunächst in Europa zielgerichtet das Wissen, die Praxis und die Lehre der Tibetischen Medizin dokumentieren und diese Dokumentation so koordinieren, dass ein gebündelter Antrag zum Kultusministerium bzw. die UNESCO-Kontaktstelle für Immaterielles Kulturgut im jeweiligen Land unterbreitet werden kann. Wir helfen Ihnen sich intern national sowie international mit Interessierten zu vernetzen. Bitte nehmen Sie Kontakt auf mit Mona Schrempf

Hintergrund

  • In chinesischen Medien wurde im Februar 2014 bekannt gegeben, dass China die Aufnahme der Tibetischen Medizin in die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes (Intangible Cultural Heritage ICH) bei der UNESCO beantragt habe ( Xinhua - China Daily, LHASA, Feb. 19, 2014): “The process of inscribing Tibetan medicine on UNESCO's intangible heritage list began as the Ministry of Culture received relevant materials from the Autonomous Region…As many as 20 pharmaceutical firms are registered in the region and produce more than 360 kinds of Tibetan medicine, selling it to the rest of China and beyond…Tibet boasts three entries on the intangible heritage list: the Epic of King Gesar, Regong Arts, and Tibetan Opera. All were added to the list in 2009.” Nach neuesten Angaben der UNESCO scheint jedoch (noch) kein solcher Antrag vorzuliegen. Es bestehen nun Kontakte zu den betreffenden Stellen in China, die dazu dienen sollen, einen gemeinsamen multinationalen Antrag zusammen mit China stellen.
  • China hat intern ein Ministerium für sein eigenes nationales immaterielles Kulturerbe aufgebaut. Seit mehreren Jahren wird die Tibetische Medizin - zumindest die großen Schulen und Krankenhäuser sowie pharmazeutische Fabriken - institutionell gefördert. In einem multinationalen Antrag geht es darum, den tatsächlichen Schutz des ’Intelektuellen Eigentums’ der Tibeter und anderer Völker, die Sowa Rigpa praktizieren, zu gewährleisten und die Nachhaltigkeit und Vielfalt der Heilpflanzen über alle nationalen Grenzen hinweg im Himalaya und auf dem Tibetischen Plateau zu schützen. Dazu gehört auch die Herstellung von Medizin durch Ärzte und Pharmazeuten, die von Generation zu Generation, von Lehrer zu Schüler in sogenannten Lineages Medizin herstellen, um die kostengünstige und wirksame primäre Gesundheitsversorgung der lokalen Gemeinschaften mit Tibetischer Medizin/Sowa Rigpa gewährleisten zu können.

Was ist ein 'Immaterielles Kulturerbe’ (Intangible Cultural Heritage - ICH)?

  • Der Begriff ’Kulturerbe’ hat in den letzten Jahrzehnten einen Bedeutungswandel erfahren, teilweise auf Grund der Instrumente, die von der UNESCO weiterentwickelt wurden. Kulturerbe beinhaltet nicht nur Denkmäler und Objektsammlungen. Es beinhaltet auch Traditionen bzw. lebendige Ausdrucksformen von Kultur, die von den Vorfahren bzw. vorangangenen Generationen an die Nachkommen weitergegeben wurden. Dazu gehören mündliche Traditionen, performative Künste, soziale Praktiken, Rituale, Feste, kulturelle Wissensformen und Praktiken, die die Natur und das Universum oder das Wissen darum beinhalten, und die Techniken, und Fertigkeiten, die  dazu notwendig sind, um traditionelles Kunsthandwerk anzufertigen. mehr unter https://www.unesco.org/culture/ich/ 
  • Tibetische Medizin ist eine lebendige tradierte Wissensform, die sowohl durch grundlegende medizinische Texte - Vier Tantras, historische Bücher zur Pharmakologie, u.v.m. - aber insbesondere auch mündlich von Generation zu Generation in Familienverbänden oder durch direkte Lehrer-Schüler-Beziehungen seit vielen Jahrhunderten überliefert wird. Ihre Praxis erfordert ein spezifisches Wissen und auch technische Fertigkeiten für die Diagnose, die therapeutische Anwendungen und die Herstellung von Medizin. Die Tibetische Medizin beinhaltet neben einer ausgefeilten Embryologie und anatomischen Kenntnissen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Körper und Geist, astrologisches Wissen und religiöse bzw. ethische Komponenten, die zur Heilung notwendig sind. Dies betrifft sowohl die Person des Arztes und seine/ihre ethische Haltung dem Patienten gegenüber als auch die eigene Geisteshaltung. Es betrifft aber auch spezifische Rituale zur Ermächtigung und daher Potenzierung von Arzneien, wie das Ritual zur ’Vervollkommnung der Medizin‘, das mendrub (Tib. sman sgrub), in dem Medizin meditativ von Buddhas ’aufgeladen’ bzw. gesegnet wird. Spezielle äußerliche therapeutische Anwendungen, wie Massage (Tib. sku mnye), kalte und heiße Kompressen (z.B. hor me), Moxibustion (Tib. me btsa) und körperlich-geistige Übungen zur inneren Reinigung und Gesunderhaltung wie Lujong (Tib. lus sbyong) und Tsalung (Tib. rtsa rlung) sind besonders in Europa beliebt und werden auch in Schulen unterrichtet (siehe Ausbildung).

Wem nützt der multinationale Schutz der Tibetischen Medizin/Sowa Rigpa als Immateriellem Weltkulturerbe?

  • Es geht zum einen um die internationale Anerkennung dieses wichtigen Medizinsystems, durch die der Schutz des Wissens und der Praxis der ausgebildeten Ärzte und Therapeuten, aber auch der nachhaltige Schutz der Heilpflanzen, die im Himalaya und auf dem Tibetischen Plateau wild wachsen, international erwirkt und erhalten werden kann. Eine internationale Vernetzung ist grenzüberschreitend notwendig zum nachhaltigen Schutz der wild wachsenden Heilpflanzen im Himalaya und auf dem Tibetischen Plateau. Auf Grund der zunehmenden Popularität Tibetischer Medizin in Asien aber auch in Europa setzen wir uns für ein transnationales Abkommen zum Schutz des Wissens und der Praxis der Tibetischen Medizin/Sowa Rigpa, ihrer Pflanzen und der Gewährleistung der primären Gesundheitsversorgung lokaler Gemeinschaften mit diesen Heilpflanzen ein.
  • Die Anerkennung der Tibetischen Medizin/Sowa Rigpa als ICH kann sowohl  die Vielfalt von Wissen und Praxis der TTM als auch die einzigartigen Rezepturen und notwendigen Wildpflanzen nachhaltig schützen helfen. Ein weiterer Vorteil der nationalen und internationalen Anerkennung wäre, dass schulmedizinisch nicht anerkannte oder problematische Rezepturen wie die Juwelenpillen auf Grund ihrer traditionellen und empirisch bewiesenen Wirksamkeit als besonderes Kulturgut anerkannt und ihre Herstellung und Rezeptur dadurch geschützt werden könnte, ohne dass pharmazeutische Unternehmen ihre Herstellung alleinig beanspruchen können, wie es derzeit in China der Fall ist, bzw. ohne dass ihre Herstellung verboten werden könnte, weil sie nicht in das schulmedizinisch-wissenschaftliche Raster von ’Wirksamkeit’ und ’Sicherheit’ (efficacy and safety) passt, wie dies derzeit in Europa der Fall ist.
  • Interessenten an diesem Aufruf bitte melden bei Mona Schrempf
  • Webseiten zum Nachforschen:
  • Allgemeine webseite von UNESCO zu Immateriellem Weltkulturerbe
  • Criteria for inscription on the Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity